Teufel, Dämonen oder Besessenheit – Was lehrt die katholische Kirche?
23 Prozent der Deutschen halten Teufel, Dämonen oder Besessenheit für real. Bei jungen Erwachsenen sind es 35 Prozent. Doch was lehrt die katholische Kirche darüber?

23 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gehen sicher oder eher davon aus, dass Teufel, Dämonen oder Besessenheit existieren. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 35 Prozent. Das ergab eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Katholischen Nachrichten-Agentur unter 2.525 Erwachsenen.
Was die Befragten darunter verstehen, hat die Umfrage nicht erhoben. Hinter den Antworten können christliche Glaubensvorstellungen stehen, ebenso Geisterglaube oder Bilder aus Filmen und Popkultur. Die Zahl sagt also wenig darüber aus, was diese Menschen tatsächlich glauben. Auffällig bleibt sie dennoch, besonders bei den jungen Erwachsenen.
Doch was sagt die katholische Kirche über Teufel, Dämonen und Besessenheit? Ihre Lehre ist ziemlich konkret. Satan und die Dämonen sind nach katholischem Verständnis geschaffene geistige Wesen. Sie waren ursprünglich gute Engel und haben sich aus freiem Willen gegen Gott entschieden. Doch wie kann ein von Gott gut geschaffenes Wesen böse werden? Warum ist seine Entscheidung endgültig? Und welche Macht kann ein Dämon über einen Menschen besitzen?

Die Lehre der katholische Kirche über Teufel und Dämonen
Der Katechismus zitiert das Vierte Laterankonzil von 1215: „Die Teufel und die anderen Dämonen wurden zwar von Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, sie wurden aber selbst durch sich böse“ (4. K. im Lateran 1215: DS 800). Die Formulierung richtete sich damals auch gegen dualistische Vorstellungen, wie sie bei den sogenannten Katharern oder Albigensern verbreitet waren. Sie griffen ältere manichäische Vorstellungen auf und gingen von gegensätzlichen Prinzipien des Guten und des Bösen aus. Die Kirche hielt dem den Glauben an einen Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge entgegen. Auch der Teufel gehört zur Schöpfung und ist keine zweite Macht neben Gott.
Satan steht Gott daher nicht als eine Art böser Gegengott gegenüber. Er ist Geschöpf und hat als Geschöpf einen Anfang. Seine Existenz verdankt er Gott, seine Bosheit aber nicht.
Damit stellt sich die Frage, woher das Böse kommt, wenn Gott alles Geschaffene gut geschaffen hat. Am Ende des Schöpfungsberichts heißt es ausdrücklich: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31). Für die katholische Theologie gab der heilige Augustinus eine Antwort, die grundlegend wurde. Das Böse besitzt kein eigenes Sein. Es ist privatio boni, eine Beraubung beziehungsweise ein Mangel des Guten (Augustinus, Enchiridion de fide, spe et caritate, 11). In seinen Confessiones schreibt Augustinus über die geschaffenen Dinge, dass, solange sie existieren, alles Geschaffene gut ist (Confessiones VII, 12). Würde ihnen alles Gute genommen, würden sie aufhören zu existieren. Daraus folgert er, dass das Böse keine eigene Substanz sein kann: „Folglich sind auch alle Dinge gut, und das Böse, nach dessen Ursprunge ich forschte, ist kein Ding, da es, wenn es ein Ding wäre, gut sein müßte“ (Confessiones VII, 12).
Thomas von Aquin führt diesen Gedanken weiter. Das Böse ist für ihn keine eigene Natur. Alles, was existiert, besitzt als Geschöpf etwas Gutes. Deshalb schreibt Thomas: „Es erübrigt nur, daß unter dem ‚Übel‘ ein Mangel und eine Abwesenheit des Guten verstanden wird“ (Summa theologiae I, q. 48, a. 1). Das Böse bezeichnet er deshalb als „ein Nichtsein“ und „ein Nicht-Gut“ (Summa theologiae I, q. 48, a. 1).
Auch der gefallene Engel verliert daher nicht seine von Gott geschaffene Natur. Thomas erklärt, dass die natürlichen Gaben der Dämonen bestehen bleiben. Ihre natürliche Erkenntnis der Geheimnisse Gottes wurde durch den Fall nicht ausgelöscht (Summa theologiae I, q. 64, a. 1). Verkehrt ist ihr Wille. Der Teufel ist also kein von Gott geschaffenes böses Wesen. Er ist ein gut geschaffenes Wesen, dessen Wille sich gegen Gott gerichtet hat.
Thomas fragt auch, worin die erste Sünde eines Engels bestehen konnte. Seine Antwort lautet: Hochmut. Gerade weil Engel rein geistige Wesen sind, scheiden körperliche Leidenschaften als Ursprung ihrer ersten Sünde aus (Summa theologiae I, q. 63, a. 1–2).
Was bedeutet dieser Hochmut? Satan konnte nicht ernsthaft glauben, selbst Gott werden zu können. Als geistiges Geschöpf erkannte er unmittelbar, dass die Gleichheit eines endlichen Wesens mit dem unendlichen Gott unmöglich ist. Seine Auflehnung lag an einer anderen Stelle: Er wollte seine Vollendung aus eigener Kraft erreichen. Thomas erklärt, dass der gefallene Engel jene endgültige Seligkeit, die nur durch Gottes Gnade erreicht werden kann, aus der Kraft seiner eigenen Natur besitzen wollte (Summa theologiae I, q. 63, a. 3).
Die Entscheidung der gefallenen Engel ist unwiderruflich. Der Katechismus erklärt dazu: „Es gibt für sie nach dem Abfall keine Reue, so wenig wie für die Menschen nach dem Tode“ (KKK 393. Der Satz selbst stammt vom heiligen Johannes von Damaskus aus De fide orthodoxa II, 4; der Katechismus übernimmt ihn ausdrücklich an dieser Stelle).
Auch Thomas erklärt, warum diese Entscheidung endgültig bleibt. Der Mensch gelangt durch Überlegen von einem Gedanken zum nächsten. Er kann eine Sache später anders beurteilen, seine Entscheidung bereuen und umkehren. Beim Engel verhält sich die Erkenntnis anders. Hat sein Wille nach der Wahl an einem Ziel festgehalten, haftet er daran bis zum Ende fest. Thomas spricht ausdrücklich von einem Willen der Dämonen, der „im Bösen verhärtet ist“, während „der der Engel im Guten befestigt“ ist (Summa theologiae I, q. 64, a. 2).
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Das Neue Testament spricht von Satan als personaler Wirklichkeit. Jesus wird vom Teufel versucht (Mt 4,1–11), nennt ihn den „Vater der Lüge“ (Joh 8,44), treibt Dämonen aus (Mk 1,23–27) und gibt seinen Jüngern Vollmacht über unreine Geister (Mk 6,7). Der Katechismus fasst diese biblische Überlieferung entsprechend zusammen: Schrift und Tradition erkennen hinter dem Versucher einen gefallenen Engel, „der Satan oder Teufel genannt wird“ (KKK 391).
Wer den Teufel lediglich als Bild für menschliche Bosheit versteht, muss daher erklären, warum das Neue Testament ihn wiederholt als handelndes Gegenüber beschreibt: Er spricht mit Jesus, versucht ihn, wird von ihm zurückgewiesen und erscheint als Anführer jener unreinen Geister, die Jesus austreibt. Die katholische Lehre versteht Satan deshalb als personales geistiges Geschöpf und nicht nur als einen anderen Namen für das Böse im Menschen.

Welche Macht haben Teufel und Dämonen?
Die katholische Kirche lehrt die Existenz Satans, setzt seiner Macht aber eine klare Grenze: „Die Macht Satans ist jedoch nicht unendlich“ (KKK 395). Er bleibt ein Geschöpf und kann den Aufbau des Reiches Gottes nicht verhindern. Schon daraus folgt ein wichtiger Unterschied zum Dualismus: Gott und Satan kämpfen nicht als zwei gleich starke Mächte gegeneinander. Der Teufel kann nur innerhalb der Grenzen handeln, die einem Geschöpf wie ihm gesetzt sind.
Natürlich hat sich Thomas auch gefragt, wie weit der Einfluss des Teufels auf uns reichen kann. Seine Antwort ist eindeutig: Ein Engel und damit auch ein Dämon kann den menschlichen Willen nicht unmittelbar zwingen. Das kann nur Gott (Summa theologiae I, q. 111, a. 2). Ein Dämon kann jedoch auf unsere sinnlichen Kräfte einwirken und dadurch Vorstellungen oder Begierden hervorrufen. Wir können also versucht werden, unsere Entscheidung bleibt trotzdem unsere eigene.
Auch die Gedanken eines Menschen kann der Teufel nicht einfach lesen (Summa theologiae I, q. 57, a. 4). Aber man muss zwischen dem Gedanken selbst und äußeren Anzeichen dieser Gedanken unterscheiden. Gesichtsausdruck, körperliche Veränderungen oder andere Reaktionen können Hinweise auf das Innere eines Menschen geben. Engel und Dämonen können solche Zeichen nach Thomas wesentlich genauer wahrnehmen als wir und damit besser darauf eingehen. Das Innere des Herzens unmittelbar zu erkennen, steht jedoch Gott allein zu (Summa theologiae I, q. 57, a. 4).
Ein Dämon verfügt als geistiges Wesen über Fähigkeiten, die die unseren weit übersteigen. Dadurch kann etwas geschehen, das uns wie ein Wunder erscheint. Ein Wunder im eigentlichen Sinn kann der Teufel nicht vollbringen. Thomas begründet das damit, dass ein echtes Wunder die Ordnung der gesamten geschaffenen Natur übersteigt. Dazu ist kein Geschöpf fähig: „Wenn von Wundern im wahren Sinne des Wortes die Rede sein soll, so kann nur Gott allein, keine einzige Kreatur aber, so hoch sie stehe, solche wirken“ (Summa theologiae I, q. 114, a. 4).
Noch eine Grenze ist wichtig: Nicht jede Sünde eines Menschen geht auf den Teufel zurück. Thomas’ Antwort lautet Nein. Sünde kann auch aus dem freien Willen des Menschen und seinen ungeordneten Begierden entstehen (Summa theologiae I, q. 114, a. 3). Der Mensch kann das Böse wählen, ohne dass zuvor ein Dämon auf ihn eingewirkt hat.
Die gewöhnliche Versuchung muss von dem unterschieden werden, was die Kirche als Besessenheit bezeichnet. Die Möglichkeit einer solchen dämonischen Einwirkung schließt die katholische Lehre nicht aus. Gerade deshalb behandelt die Kirche einen solchen Verdacht mit großer Vorsicht. Der Katechismus erklärt den Exorzismus als eine Bitte der Kirche im Namen Jesu Christi, eine Person oder einen Gegenstand vor der Macht des Bösen zu schützen und seiner Herrschaft zu entziehen (KKK 1673). Der Große Exorzismus darf nur von einem Priester und mit „besonderer und ausdrücklicher Erlaubnis“ des Ortsordinarius vorgenommen werden (CIC can. 1172 § 1).
Dabei verlangt die Kirche ausdrücklich die Unterscheidung von Erkrankungen: „Krankheit, vor allem psychischer Art, ist etwas ganz anderes; ihre Behandlung fällt in den Bereich der ärztlichen Heilkunde“ (KKK 1673). Besessenheit bildet innerhalb der katholischen Lehre damit einen außergewöhnlichen Fall. Die gewöhnliche Form dämonischer Einwirkung ist die Versuchung. Doch auch sie hebt die menschliche Freiheit nicht auf. Wir bleiben für unsere Entscheidung verantwortlich.

Welche Macht hat der Teufel über Christen?
Die katholische Lehre über Teufel und Dämonen ist deshalb keine Einladung zur Angst. Sie ruft uns zur Wachsamkeit. Der Teufel muss nicht „geglaubt“ werden, um wirken zu können. Wenn wir jedoch seine Existenz ausschließen, verschwindet damit weder die Versuchung noch die Täuschung. Im Gegenteil: Mit einem Gegner, den wir für nicht existent halten, rechnen wir auch nicht.
Doch wir Christen stehen dem Bösen nicht schutzlos gegenüber. In der Taufe haben wir Satan widersagt und gehören Christus. Seine Gnade stärkt uns und hilft uns, dem Bösen zu widerstehen. Der Teufel kann uns versuchen und täuschen, unsere Entscheidung kann er uns nicht abnehmen. Wir selbst entscheiden, wem wir folgen.
Und genau hier liegt der Grund, weshalb die Lehre vom Teufel für uns Christen keine Botschaft der Angst ist. Christus hat uns nicht einem Kampf überlassen, dessen Ausgang ungewiss wäre. Der Sieg über das Böse hat bereits begonnen und wir leben aus diesem Sieg: „Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören“ (1 Joh 3,8).
Über Lukasz Holfeld
Redakteur / Autor bei der Priesterausbildungshilfe.
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