Bischof Fulton Sheen seliggesprochen - Katholische Theologie als Quotenerfolg
Fulton Sheen wurde im Fernsehen berühmt. Sein Weg zum Seligen führt zurück zu seinem Leben als Lehrer und Priester vor dem Allerheiligsten.

Gestern, am 24. September, wurde Fulton J. Sheen in St. Louis seliggesprochen. In den fünfziger Jahren wurde der amerikanische Bischof durch seine Fernsehsendung Life Is Worth Living landesweit bekannt. Die Sendung erreichte zeitweise bis zu zehn Millionen Zuschauer in der Woche. Sheen stand vor einer Schultafel und sprach über den katholischen Glauben: über Christus, Schuld, Freiheit und das ewige Leben.
Der Erfolg im Fernsehen war kein Zufall. Hinter der Sendung stand ein Priester und Bischof, der viele Jahre gelehrt und den Glauben gründlich studiert hatte. Jeden Morgen verbrachte er eine Stunde vor dem Allerheiligsten. Die Seligsprechung lenkt den Blick auf sein Leben hinter der Kamera.
_-_Ven._Fulton_J._Sheen_signed_portrait 24.09.2026-1600x1938.jpg)
Fulton Sheens Grundlage: Bildung und Eucharistie
Fulton Sheen unterrichtete lange vor seiner Fernsehsendung an der Catholic University of America. Nach der Priesterweihe studierte er zunächst in Washington, später in Löwen und Rom. 1926 kehrte er als Lehrender an die Catholic University of America zurück. Als Sheen dann vor die Kamera trat, brachte er seine Erfahrung mit: Er stand vor einer Schultafel, entwickelte einen Gedanken und nahm die Zuschauer Schritt für Schritt mit.
Ein guter Lehrer. Denn aus einem Brief aus den ersten Jahren Sheens Lehrtätigkeit gibt er einen Einblick in seine Arbeitsweise. Er schrieb, für jede Vorlesung brauche er mindestens sechs Stunden Vorbereitung. Er wollte seine Studenten nicht mit bloßer Redegewandtheit gewinnen. Vor einem Vortrag stand die Arbeit am Thema. Das blieb auch so, als seine Zuhörer nicht mehr in einem Hörsaal saßen, sondern in amerikanischen Wohnzimmern.
Doch die Bildung allein erklährt nicht den Medialen Erfolg des Bischofs. Sheen selbst setzte einen anderen Schwerpunkt. An seinem Weihetag fasste er den Entschluss, täglich eine Stunde vor dem Allerheiligsten zu verbringen: „Ich nahm mir vor, jeden Tag eine volle Heilige Stunde in Gegenwart unseres Herrn im Allerheiligsten zu verbringen“ (Fulton J. Sheen, Treasure in Clay: The Autobiography of Fulton J. Sheen, New York: Doubleday, 1980). Die Heilige Stunde hielt er bis an sein Lebensende. Sie gehörte zu seinem Morgen, bevor er überhaupt seinen Arbeitstag begann. Das ist für das Verständnis seiner Person wichtig. Seine Bildung gab ihm das Handwerkszeug. Sie befähigte ihn, eine Frage sauber zu entfalten und falsche Antworten zu erkennen. Die Heilige Stunde gab seinem Dienst die Richtung: „Alle meine Predigten werden in Gegenwart des Allerheiligsten vorbereitet“ (Fulton J. Sheen, Treasure in Clay: The Autobiography of Fulton J. Sheen, New York: Doubleday, 1980)
Damit wird verständlicher, weshalb seine Verkündigung eine bestimmte Richtung hatte. Sheen befasste sich nicht mit Glaubensthemen, um sie interessant aussehen zu lassen. Er wollte zeigen, was sie im Leben verlangen. Das gilt besonders für seine Überlegungen zu Ehe und Liebe. In seinem Buch Three to Get Married wandte er sich gegen die Vorstellung, Liebe bestehe vor allem aus Gefühl und körperlicher Anziehung. „Liebe liegt zuerst im Willen, nicht in den Gefühlen oder den Drüsen“ (Fulton J. Sheen, Three to Get Married, New York: Appleton-Century-Crofts, 1951).
Sheen sprach natürlich auch über anderen Themen. Er sprach viel über die Beichte und über die Wirklichkeit der Schuld. Wenn er von Freiheit redete, fragte er auch nach ihrem Ziel. Freiheit war für ihn nicht das Recht, sich von jeder Bindung zu lösen. Sie musste auf das Gute und auf Gott ausgerichtet sein.
Durch seine Erfahrung als Lehrer fand der Bischof Worte für schwierige Fragen und öffnete damit auch einem breiten Publikum den Zugang zum Glauben; die tägliche Heilige Stunde hielt seine Verkündigung bei Christus. Diese Klarheit führte ihn über Kirche und Hörsaal hinaus in die politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit – bis in die Akten des FBI.

Fulton Sheen im öffentlichen Raum: Millionen Zuschauer und das FBI
Als Life Is Worth Living 1952 begann, war das Format schlicht. Fulton Sheen stand allein im Studio, zeichnete an die Tafel und sprach. Die Sendung behandelte religiöse, moralische, philosophische und auch politische Fragen. Anfangs lief sie nur bei wenigen Stationen. Später wurde sie über 169 lokale Sender ausgestrahlt und erreichte zeitweise bis zu zehn Millionen Zuschauer pro Woche.
Schenken Sie Berufungen eine Zukunft
Die Priesterausbildungshilfe fördert die Ausbildung von Priestern – besonders dort, wo die Mittel knapp sind. Jede Spende kommt direkt der Ausbildung zugute.
Auch die Reaktion war ungewöhnlich. Im Frühjahr 1952 erhielt der Sender etwa 8.500 Zuschauerbriefe pro Woche. Sheen hatte schon mit seiner Radiosendung The Catholic Hour ein Publikum erreicht, das über die katholische Kirche hinausging. Nach zeitgenössischen Angaben stammte rund ein Drittel der Zuschriften von Protestanten.
Seine Bekanntheit brachte ihn auch in eine politische Auseinandersetzung. Sheen sprach in einer Zeit, die ideologisch hoch aufgeladen war. Er wandte sich früh gegen den Kommunismus und gegen den Marxismus. Auch Stalin kritisierte er öffentlich. Im Zweiten Weltkrieg war das heikel, weil die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion gegen Hitler-Deutschland verbündet waren. 1943 eröffnete das FBI eine Akte über den damaligen Monsignore.
Diese Akte enthält politische Einschätzungen, Zeitungsausschnitte und Briefe. Sie enthält auch persönliche Beobachtungen. In einem FBI-Dossier von 1953 werden Sheens Tagesablauf, seine Vorliebe für Schokoladeneis und eine Verkehrskontrolle erwähnt, bei der er sich mit seiner Beredsamkeit aus einem Strafzettel herausredete. Die Akte zeigt, wie genau man sich mit einem Geistlichen beschäftigte, der öffentlich sprach und politische Überzeugungen vertrat. Am Anfang stand der Verdacht, Sheen könne mit seinen Aussagen den Kriegsinteressen der Vereinigten Staaten schaden.
Doch die Beamten fanden keinen geheimen Verschwörer. Sie fanden einen Bischof, der nach festen Regeln lebte, eine klare Überzeugung hatte und auf Menschen offensichtlich Eindruck machte. Das hatte seinen Grund darin, dass Fulton Sheen den katholischen Glauben klar verkündete, auch dort, wo er unbequem wurde. Deshalb trat er Ideologien entgegen, die Christus verdrängen und den Menschen selbst an Seine Stelle setzen wollten.
Die Beobachtung des FBI verwandelte sich fast in Bewunderung. Ab 1944 führte Sheen mit FBI-Direktor J. Edgar Hoover einen Briefwechsel; 1953 lud Hoover ihn ein, vor den Absolventen der FBI-Akademie zu sprechen. Als Hoover ihm 1958 sein Buch Masters of Deceit zusandte und Sheen darauf mit Lob antwortete, schrieb der Direktor, die Erfolge seiner Behörde verdankten sich „zu einem großen Teil der standhaften Unterstützung guter Freunde wie Ihnen“ (WCBU, „Reexamining Archbishop Fulton Sheen’s Extensive FBI Dossier“, 15. September 2019).
All das zeigt, wie bekannt Fulton Sheen in Amerika war. Für die Seligsprechung prüfte die Kirche sein Leben als Priester und Bischof. 2012 erkannte Papst Benedikt XVI. an, dass Sheen die christlichen Tugenden in heroischem Maß gelebt hatte. Das Wunder, das den Weg zur Seligsprechung eröffnete, betrifft James Fulton Engstrom. Der Junge kam 2010 ohne Herzschlag und Atmung zur Welt, wurde nach 61 Minuten wiederbelebt und entwickelte sich gesund. Papst Franziskus erkannte diese Heilung 2019 auf Fulton Sheens Fürsprache an.

Fulton Sheen: Der katholische „Televangelist“
Die Seligsprechung Fulton Sheens erinnert daran, dass die Kirche die modernen Medien nutzen kann. Sheen erkannte früh die Möglichkeiten des Fernsehens. Es brachte einen Priester in amerikanische Wohnzimmer und gab der Verkündigung eine Reichweite, die eine Kanzel allein nie haben konnte. Auch vor einer Kamera kann ein Priester Christus verkünden und Menschen zum Nachdenken über ihr Leben führen.
Fulton Sheen machte katholische Theologie zum Quotenerfolg. Diese Möglichkeit besteht heute ebenso. Ein Video, ein Podcast oder ein Beitrag in den sozialen Netzwerken kann den ersten Anstoß geben, sich wieder mit dem Glauben zu beschäftigen. Er kann eine Frage wecken, zum Gebet führen oder den Weg in die Kirche öffnen. Gerade die Fragen nach Schuld, Vergebung, Ehe, Freiheit und dem ewigen Leben verlangen nach einer klaren Antwort.
Sheen erreichte Millionen, weil er den Glauben kannte, ernst nahm und verständlich aussprach. Die Medien geben dem Wort eine größere Reichweite. Seinen Inhalt empfangen sie aus dem Glauben der Kirche. Der katholische Glaube wird glaubwürdig, wenn er klar verkündet wird und das Leben dessen prägt, der ihn verkündet.
Über Lukasz Holfeld
Redakteur / Autor bei der Priesterausbildungshilfe.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.
Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.
Kommentare (0)
Kommentare werden geladen...