Amt und Auftrag – Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Heute tagt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). Es treffen sich die Amtsinhaber aller (Erz-)Bischöfe, um turnusgemäß einen neuen Vorsitzenden zu wählen, nachdem der bisherige Amtsinhaber, Georg Bätzing, angekündigt hat, nicht erneut zu kandidieren. Heute entscheidet sich auch, ob dieses Gremium den Mut hat, sich selbst theologisch zu prüfen – oder ob es bei einem bloßen Personalwechsel bleibt, der die eigentliche Krise unangetastet lässt. Denn die katholische Kirche in Deutschland steht in einer Phase tiefgreifender Spannung und Orientierungslosigkeit. Die Wahl ist daher kein bloßer innerkirchlicher Verwaltungsakt. Sie ist ein Offenbarungstest.

Es steht nicht allein die Leitungsperson zur Debatte, sondern der Grundsatz kirchlicher Autorität: Ist kirchliche Leitung ein Verhandlungsgegenstand im Horizont gesellschaftlicher Präferenzen – etwa im Umgang mit Fragen von Sexualmoral, Synodalität oder Priesterbild – oder ist sie ein sakramentaler Dienst an der göttlichen Wahrheit, die Christus seiner Kirche anvertraut hat? Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob die deutsche Kirche kirchlich bleibt oder strukturell in einen inneren Reformrelativismus abrutscht.

Leitungs- und Glaubenskrise

Eine Bischofskonferenz besitzt nach katholischem Kirchenrecht keine eigenständige Lehrvollmacht über die Weltkirche. Jeder Bischof leitet seine Diözese kraft sakramentaler Weihe. Als Nachfolger der Apostel und Diener am einen, heiligen, katholischen und apostolischen Glauben gründet die Autorität der Bischofskonferenz allein in der sakramentalen Sendung jedes einzelnen Bischofs und in der Einheit mit dem Papst als sichtbarem Prinzip und Fundament der Einheit der Weltkirche.

Die Realität der DBK in den vergangenen Jahren zeigt jedoch, dass ihre sakramentale Ordnung vielfach überlagert wurde durch eine Vorstellung von Bischöfen als Akteuren kultureller Gestaltung, die sich stärker an gesellschaftlichen Debattenthemen orientieren als am unveränderlichen Lehramt Christi. Diese Tendenz zeigte sich etwa in kontroversen pastoralen Impulsen, bei denen das Verhältnis von Lehre und pastoraler Praxis nicht klar im Licht der kirchlichen Wahrheit artikuliert wurde – etwa in Fragen der Sexualmoral, des Weiheamtes, der Sakramentalordnung bis hin zu politischen Orientierungen. Und wer Fragen der Sakramentalordnung oder der kirchlichen Morallehre neu definieren möchte, greift nicht in bloße Verwaltungsfragen ein, wie bisweilen behauptet wird. Man greift damit nur in den Kern der apostolischen Überlieferung. Der Wille zur Reform ist vorhanden, doch sie wird häufig nach innerkirchlicher Befindlichkeit definiert und nicht nach der unerschütterlichen Treue zum Evangelium.

Das Problem liegt nicht in der Diskussion selbst. Diskussion gehört zum kirchlichen Leben. Und davon führt man genug. Entscheidend ist die Verschiebung der Maßstäbe. Auf einmal wurde Maßstab die gesellschaftliche Akzeptanz und nicht die beständige Lehre der Kirche in ihrer Einheit mit der universalen Kirche. Eine Bischofskonferenz darf Spannungen moderieren. Sie darf jedoch nicht den Eindruck erwecken, Glaubenssubstanz stehe zur Disposition. Hier liegt kein bloß pastorales Missverständnis vor, sondern ein theologisches Problem von erheblicher Tragweite.

Sakrament, Wahrheit und kirchliche Einheit

Die katholische Kirche kennt keine demokratische Amtsausübung im weltlichen Sinne. Die Amtsgewalt der Bischöfe kommt aus der apostolischen Sukzession und hat ihren Ursprung in Christus selbst. Die Kirche ist deshalb auch keine Synodalrepublik, in der Mehrheiten den Glauben definieren. Kirchliche Leitung ist Dienst an der Wahrheit und auf keinen Fall Dienst an der Zustimmung öffentlicher Meinung oder kulturpolitischer Stimmung.

Die DBK muss sich fragen, welche bischöflichen Qualitäten sie sucht: jene eines kirchlichen Lehrers und Hirten, der die Wahrheit des Evangeliums in Treue verkündet, oder jene eines strategischen Moderators gesellschaftlicher Anpassung. Der Unterschied ist nicht rhetorisch. Es geht um die Frage, ob kirchliche Leitung die Fülle der göttlichen Offenbarung widerspiegelt oder dem Druck zeitgeistiger Logik folgt.

Wenn kirchliche Leitung nicht primär die Treue zur Heiligen Schrift und zur apostolischen Überlieferung sucht, verliert sie ihren Bezug zur Kirche als Leib Christi und wird zu einem innerkirchlichen Debattenforum. Dann verliert sie ihre geistliche Autorität. Es erklärt, weshalb Gläubige Distanz suchen und sakrale Räume gelegentlich für fragwürdige Projekte oder Akteure geöffnet werden.

Eine Wahl, die diese Dimension nicht ernst nimmt, ist keine Wahl im Dienst der Kirche, sondern eine im Dienst der eigenen Selbstlegitimierung. Eine solche Haltung ist letztlich ein Verrat am Auftrag der Kirche, die in ihrer Sendung die inkarnierte Wahrheit bezeugt und nicht den Zeitgeist.

Klarheit für die Hirten

Am heutigen Tag entscheidet sich, ob die DBK den theologischen Ernst ihres Auftrags erkennt oder weiterhin einer strategischen Anpassungslogik folgt. Die Wahl kann ein Zeichen der Rückbindung an das Glaubensfundament sein oder die Fortsetzung einer innerlich fragmentierten Kirchenagenda.

Die zentrale Frage lautet: Wird Leitung als Dienst an der Wahrheit verstanden oder als Funktion innerkirchlicher Debattenkultur? Die Antwort prägt nicht nur den Vorsitz der DBK, sondern die kirchliche Identität der kommenden Jahre in Deutschland.

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