Darstellung des Herrn – Gesetz, Erkenntnis und Bindung

Heute feiern wir das Fest der Darstellung des Herrn. Vierzig Tage nach der Geburt Jesu bringen Maria und Josef ihr Kind nach Jerusalem. Der Anlass ist eindeutig geregelt. Die Reinigung der Mutter und die Darbringung des Erstgeborenen sind im Gesetz Israels festgelegt. Lukas benennt diesen Rahmen ausdrücklich: „Als sich für sie die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen“ (Lk 2,22). Der Evangelist verzichtet auf jede Dramatisierung. Kein Zeichen begleitet den Vorgang. Kein Wort weist auf eine Sonderstellung des Kindes hin. Jesus wird bewusst in den religiösen Vollzug Israels eingereiht.

Damit ist die Grundlinie des Festes gesetzt. Die Offenbarung Christi beginnt nicht mit einem Bruch. Sie beginnt mit dem Gehorsam gegenüber einer bestehenden Ordnung.

Gesetzeserfüllung

Der Tempelgang wird mit großer Genauigkeit beschrieben. Die Eltern handeln „wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist“ (Lk 2,23). Auch das Opfer wird präzise benannt: „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“ (Lk 2,24). In Lev 12,8 ist dieses Opfer für Menschen vorgesehen, die kein Lamm darbringen können. Der soziale Status der Familie wird damit klar markiert. Jesus erscheint im Tempel nicht privilegiert. Er wird nicht erkannt und bleibt zunächst Teil des normalen Geschehens.

Die entscheidende Bewegung geht von Simeon aus. Er ist keine zufällige Nebenfigur. Simeon ist gerecht, gottesfürchtig und wartet auf den Trost Israels (Lk 2,25). Der Heilige Geist hat ihm verheißen, dass er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Messias gesehen hat (Lk 2,26). Als Maria und Josef ihr Kind nach dem Gesetz darbringen, erkennt Simeon in Jesus den Messias. Nicht aufgrund äußerlicher Besonderheiten des Kindes, sondern weil der Geist Gottes ihm die Sicht auf die Erfüllung der Verheißung öffnet.

Die Eltern reagieren erstaunt: „Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden“ (Lk 2,33). Sie nehmen die Worte Simeons wahr, verstehen sie jedoch noch nicht wirklich. Aus ihrer Sicht haben sie treu nach dem Gesetz des Mose gehandelt. Simeon hat seine Aufgabe erfüllt. Durch seine Erkenntnis hat er inneren Frieden gefunden: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen“ (Lk 2,29–30). Er hat Jesus als den Messias bezeugt, an dem Ort, an dem das Gesetz Israels vollzogen wird: im Tempel.

Geweihtes Leben

Die heutige liturgische Feier stellt Maria als Mutter Jesu ebenso in den Mittelpunkt wie Jesus selbst. Traditionell werden an diesem Tag auch die Kerzen geweiht. Wie Simeon erleuchtet wurde, soll das Licht – eines der zentralen Symbole für Christus – auch uns erleuchten.

Die Darstellung Jesu zeigt ein öffentliches, nach Gesetz und Ordnung vollzogenes Handeln. Daraus lässt sich eine Parallele zum geweihten Leben ziehen: Wer geweiht lebt, ordnet sein Leben öffentlich, dauerhaft und kirchlich anerkannt Gott zu. Es handelt sich nicht um eine private Entscheidung und nicht um einen bloßen inneren Zustand. Diese Bindung ist öffentlich, dauerhaft und kirchlich geregelt, vergleichbar mit der Darbringung Jesu im Tempel, in der der Sohn sich an den Vater bindet.

Die Betrachtung liegt in der Form der Zuordnung: Im Tempel wird der Sohn dem Vater übergeben, im geweihten Leben wird das Leben eines Mannes Gott übergeben. Beide zeigen, dass Leben in geordneter Weise auf Gott hin ausgerichtet und sichtbar gemacht werden kann. Die Zuordnung der Weihe bleibt nüchtern und erzeugt keine Wirkungsgarantie. Sie verweist auf Christus.

Licht für die Welt

Simeon sagt, was Jesus ist: Licht zur Erleuchtung der Welt (Lk 2,32). Licht bezeichnet hier Erkenntnis. In diesem Kind erfüllt Gott seine Verheißungen an Israel und öffnet sie für die Völker.

Die Darstellung im Tempel macht genau dies sichtbar. Äußerlich geschieht nichts Außergewöhnliches. Innerlich wird eine Wirklichkeit benannt: Dieses Kind ist der von Gott gesandte Retter. Wer ihn erkennt, kann wie Simeon Frieden und Heil finden. Wer ihn nicht erkennt, sieht nur einen Fremden und geht unverändert nach Hause.

Spendenkonto

Priesterausbildungshilfe e. V.
IBAN: DE20 3705 0198 1930 3223 65
BIC: COLSDE33XXX

Letzte Beiträge: