Das Ende der Epiphaniezeit – Wer ist denn Jesus?

Mit dem gestrigen Sonntag endete die Epiphaniezeit. Sie beginnt am 6. Januar mit der Feier der Erscheinung des Herrn und zieht sich bis zur Schwelle der Fastenzeit. Auf den ersten Blick wirkt diese Zeit wie ein ruhiges Zwischenstück zwischen Weihnachten und Fastenzeit. Doch die Liturgie selbst zeigt, dass die Epiphaniezeit einen klaren Schwerpunkt hat. In diesen Wochen stellt sie eine einzige, gewichtige Frage in den Mittelpunkt: Wer ist Jesus?

Die Evangelien selbst stellen die Frage ausdrücklich. Oft mit Skepsis verbunden: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? (…) Woher also hat er das alles?“ (Mt 13,55 -56). Man kannte Jesu familiäre Herkunft. Gerade deshalb fragten sich viele: Wie passt das Gewöhnliche zu der Autorität Seines Auftretens? „Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?“ (Mk 4,41).

Die Frage ist also nicht unwichtig. Damals nicht, aber auch heute nicht. Denn sie stellt uns vor die gleiche Frage: Wer ist Jesus für mich?

Selbstoffenbarung Gottes

Wenn Jesu Person nicht benannt wird, bleiben Sein Leben und Seine Sendung unverständlich. Ohne die geklärte Identität des Kindes in der Krippe wäre Weihnachten nur eine rührende Geburtsgeschichte mit Happy End. Aber auch das Kreuz wäre nicht Heil, sondern die Hinrichtung eines gottesfürchtigen Menschen.

Die Epiphaniezeit entfaltet Schritt für Schritt Jesu wahre Identität. Sie beginnt mit der Ankunft der Sterndeuter: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (Mt 2,1–2). Die Fremden erkennen etwas, das die religiösen Führer Jerusalems übersehen: Schon als Kind trägt Jesus königliche Würde. Sein Wirken ist nicht auf das Bundesvolk begrenzt. Die Epiphanie des Kindes weist auf eine weltweite Sendung hin. Alle sind angesprochen.

Die Taufe im Jordan legt die göttliche Herkunft Jesu offen: „Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,16-17).

Im jüdischen Denken ist „Sohn Gottes“ kein dekorativer Ehrentitel. Der Sohn teilt das Wesen und den Auftrag des Vaters. Wenn Gott selbst Jesus als seinen Sohn bezeichnet, wird eine Identität festgelegt, die über jedes prophetische Amt hinausgeht. Das hat Konsequenzen. Wäre Jesus nur ein Prophet oder Lehrer, könnte man seine Worte prüfen und gegebenenfalls ablehnen. Wenn Er aber der vom Vater gesandte Sohn ist, dann erhält Sein Wort ein ganz anderes Gewicht. Es steht nicht zur Diskussion wie das eines Menschen. Es trägt göttlichen Anspruch. Darum ist Jesu spätere Rede von Vergebung keine menschliche Anmaßung (Mt 9,2–6).

Auch Sein Ruf in die Nachfolge ist kein bloßer Vorschlag: „Kommt her, mir nach! (…) Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach“ (Mt 4,19–20). Schaut man ins Alte Testament, erkennt man Menschen immer im Auftrag Gottes berufen (z. B.: Ex 3,10–12 oder 1 Sam 3,10). Hier aber ruft einer im eigenen Namen. „Folgt mir!“ – und nicht: Folgt dem Gesetz. Die Nachfolge gilt Seiner Person. Das ist nur sinnvoll, wenn Jesus mehr ist als die eines von Gott berufenen Menschen.

Vergänglichkeit und Vorbereitung

Die Offenbarung Jesu führt zur Vorbereitung auf seinen Weg nach Jerusalem, zur Erlösung der Menschheit am Kreuz und zu seinem Sieg über den Tod. Die Kirche markiert diesen Übergang mit dem Aschermittwoch: „Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“ (Gen 3,19). Eine konkrete Erinnerung an den eigenen Tod.

Die Fastenzeit beginnt unmittelbar danach. Sie ist eine Zeit der inneren Sammlung und Umkehr. Konkret bedeutet das: bewusstes Verzichten und gezielte Ordnung des Alltags. Vor allem aber ist sie eine Zeit, um sich die Frage zu stellen, die die Epiphaniezeit aufgeworfen hat: Wer ist Jesus? Steht Er neben mir wie ein guter Mensch, dessen Worte ich beachten kann, aber nach eigenem Ermessen wähle? Oder ist Er der vom Vater gesandte Sohn, der mein Leben bindet, dessen Worte Gewicht haben und dessen Taten Maßstab für mein Leben sind?

Jeder Tag der Fastenzeit bietet die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie die Worte und Taten Jesu im eigenen Leben wirken. Es geht um die Orientierung des eigenen Lebens an Seiner Person. Das zeigt sich dann praktisch in kleinen Entscheidungen: Wie gehe ich mit anderen um? Wie entscheide ich in Situationen, in denen Ehrlichkeit, Geduld oder Gerechtigkeit gefordert sind? Wie gehe ich mit Konflikten um, mit Verantwortung oder mit den Menschen, die mir nahestehen?

Fasten und Verzichten sind also kein Selbstzweck. Sie dienen als Mittel, um die Frage „Wer ist Jesus?“ praktisch zu beantworten. Die konkrete Anwendung Seiner Lehre auf den Alltag, die bewusste Gestaltung der eigenen Stunden, das gezielte Verzichten auf Überflüssiges – all das wird zum Prüfstein für die eigene Haltung gegenüber Jesus. Wer diese Zeit ernst nimmt, erlebt, dass Er greifbar wird, dass Seine Sendung konkrete Konsequenzen verlangt und dass Sein Weg Bedeutung für das eigene Leben hat. Auch heute.

Lebensprägende Antwort

Die Evangelien bezeugen Jesus als Sohn des Vaters. Seine Autorität und Vollmacht kommen aus dieser Beziehung. Den Menschen können Seine Forderungen ignorieren, Ihn verleugnen oder sogar hassen – das haben Jesus und die Apostel selbst erfahren (Mt 26,69–75; Joh 1,11; Apg 7,54–60).

Es liegt an jedem von uns zu entscheiden: Glauben wir, dass Jesus Herr und Erlöser ist, und ordnen unser Leben an Seiner Sendung aus, oder bleiben wir außen vor und lassen Seine Worte unbeachtet. Wer Ja sagt, trägt die Verantwortung für die Konsequenzen dieses Glaubens. Wer Nein sagt, trägt die Verantwortung für die Folgen seines Ablehnens. So zeigt sich, dass niemand an der Entscheidung für oder gegen Jesus vorbeikommt. Die Antwort selbst prägt dann unser Leben grundlegend.

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