Wenn Gott ruft – Leben unter dem Anspruch Gottes

Viele Menschen verbinden mit dem Begriff Berufung sofort die Vorstellung von besonderen Aufgaben wie Priester- oder Ordensleben. Im katholischen Verständnis geht es jedoch um etwas Grundsätzliches: Berufung beschreibt die Verantwortung, die jeder Christ in seinem Alltag trägt. Jeder von uns wird von Gott in eine konkrete Lebenssituation gerufen, in der wir Verantwortung übernehmen, sei es im Beruf, in der Familie oder im Dienst an anderen. Berufung ist also die konkrete Aufgabe, auf Gottes Ruf zu antworten und das eigene Leben in Übereinstimmung mit Gottes Willen zu gestalten.

Zum Leben Berufen

Die Bibel bringt diesen Gedanken klar auf den Punkt: „Ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!“ (Jes 43,1). Der Mensch kann sein Leben nicht ausschließlich nach eigenen Vorlieben gestalten. Die Aussage „du gehörst mir“ bedeutet auch nicht Besitz im menschlichen Sinn. Gott beruft uns immer wieder in konkrete Umstände, in denen nur wir die Verantwortung übernehmen können. So zeigt sich Berufung in Entscheidungen des Alltags, etwa in Familie, Beruf oder im Dienst für andere. Die bewusste Anerkennung dieses Rufes ist der erste Schritt, Gottes Ruf wahrzunehmen und anzunehmen.

Jesus macht uns deutlich, dass Berufung von Gott ausgeht. „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ (Joh 15,16), sagt Er zu seinen Jüngern. Berufung entsteht nicht aus eigenen Plänen oder Vorlieben. Es ist ein Ruf, der den Menschen in konkrete Lebenssituationen stellt. Berufung zeigt sich immer dort, wo Verantwortung übernommen werden muss, die über bloße Selbstbestimmung hinausgeht, sei es in der Erziehung von Kindern, in der Pflege von Angehörigen, in der Ausübung von Arbeit oder im Engagement für andere Menschen.

Der Ruf Gottes ist kein Zufall und keine subjektive Empfindung; er richtet sich nach dem, was in der jeweiligen Situation gebraucht wird. Gott weist uns eine bestimmte Aufgabe zu, sei es für einen Moment oder für die Lebensdauer. Wir werden eingeladen, uns bewusst auf Gottes Plan einzulassen und Verantwortung vor Gott zu übernehmen.

Gottes Plan

Berufung erfordert das aktive Hören und Prüfen. „Wenn er dich ruft, dann antworte: Rede, HERR; denn dein Diener hört“ (1 Sam 3,9), sagt der Priester Eli. Wenn wir hören, was Gott uns zu sagen hat, können wir die Aufgabe erkennen, die uns gegeben wird.

Gott kennt uns. Er weiß, wo Menschen Aufgaben übernehmen können, die ihren Fähigkeiten, ihrer Freiheit und ihrer Belastbarkeit entsprechen. Aber nicht jede Aufgabe entspricht automatisch der eigenen Berufung. Paulus mahnt daher: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21). Das Gewissen hilft uns zu erkennen, welche Entscheidungen und Aufgaben verantwortbar sind und welche nicht. Es ist unsere Aufgabe, die eigene Berufung im Gewissen zu prüfen und die Bereitschaft zu entwickeln, darauf zu reagieren. Berufung wird nicht automatisch erfüllt, sondern muss bewusst angenommen werden.

Die Umsetzung der Berufung zeigt sich im Alltag: „Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen“ (Kol 3,23). Berufung lebt sich in verantwortlichem Handeln aus – in der Arbeit, in der Erziehung von Kindern oder in Aufgaben innerhalb von Gemeinschaften. Entscheidend ist, dass das Handeln nicht ausschließlich von Bequemlichkeit, Nutzen oder persönlicher Motivation bestimmt wird, sondern der Verantwortung entspricht, die Gott einem durch seinen Ruf übertragen hat. Berufung ist damit konkret. Sie ist überprüfbar, weil sie sich in der bewussten Gestaltung des Lebens im Einklang mit Gottes Willen zeigt.

Die Einladung Gottes

Die Antwort auf Berufung zeigt sich in der Bereitschaft, Verantwortung anzunehmen, wie es Jesaja ausdrückt: „Hier bin ich, sende mich!“ (Jes 6,8). Das ist eine Antwort auf den Ruf Gottes. Berufung ist keine spektakuläre Tat. Sie gilt nicht nur für Priester, Ordensleute oder Personen von besonderer Bedeutung. Berufung ist die kontinuierliche Umsetzung der uns von Gott übertragenden Verantwortung im Alltag.

Ein Christ lebt seine Berufung dort, wo er Entscheidungen trifft, Verantwortung übernimmt und diese treu umsetzt. Die Berufung entfaltet sich Schritt für Schritt, wird in konkreten Aufgaben sichtbar und bleibt über das gesamte Leben hinweg ein Maßstab für verantwortliches Handeln. Wer diese Verantwortung ernst nimmt und anvertraute Aufgaben zuverlässig erfüllt, lebt seine Berufung und erfüllt damit die Grundaufgabe jedes Christen.

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