Johannes der Täufer – Zeuge der Wahrheit bis in den Tod

Die Enthauptung des Johannes des Täufers wirkt auf den ersten Blick wie eine grausame Episode in der biblischen Geschichte. Sie ist aber mehr als ein politisches Verbrechen. Denn der Tod des Täufers ist ein Ereignis mit heilsgeschichtlicher Bedeutung. Johannes stirbt keineswegs als Spielball fremder Mächte. Er wird zum ersten Zeugen der Wahrheit Gottes, der sein Leben ließ, um sie zu bezeugen. Darin liegt die Verbindung zu Christus, dessen Kreuz der eigentliche Horizont dieses Geschehens ist.

Prophet gegen den König

Johannes tritt in die Reihe der Propheten ein, die dem Volk und seinen Herrschern das Gesetz Gottes vor Augen führen. Wie Elija vor Ahab steht er vor Herodes und nennt die Sünde beim Namen. Die Ehe des Herodes mit der Frau des Bruders widerspricht dem Gebot Gottes. Für Johannes war das keine Privatangelegenheit, sondern ein öffentliches Ärgernis, weil ein Herrscher dem Volk ein schlechtes Beispiel gibt, wenn er gegen das Gesetz Gottes handelt. Darum widersetzte er sich, auch wenn es ihn ins Gefängnis brachte.

Herodes zeigt in dieser Geschichte das Muster weltlicher Macht: äußerlich stark, innerlich schwach. Er weiß, dass Johannes gerecht ist, er hört ihn sogar gerne (Mk 6,20), und doch kann er die Wahrheit nicht annehmen. Er ist gefangen in seiner Angst, das eigene Gesicht zu verlieren. Zwar hat er den Titel des Königs inne, doch regiert Herodes nicht in Freiheit. Johannes aber, der in den Kerker geworfen wird, bewahrt seine innere Freiheit. Hier begegnet uns ein theologischer Grundsatz: Wahre Freiheit erwächst aus Treue zu Gott und nicht aus eigener Macht.

Der Vorläufer im Martyrium

Johannes ist der letzte Prophet des Alten Bundes. Sein Sterben schließt die Reihe der Zeugen, die Israel auf den kommenden Messias vorbereitet haben. Gleichzeitig weist sein Blut auf Christus hin. Wie Johannes unschuldig getötet wird, weil ein Herrscher schwankt, so wird auch Jesus unschuldig ans Kreuz geschlagen, weil Pilatus nicht den Mut hat, der Wahrheit zu folgen. Das Schicksal des Täufers kündigt das Kreuz an.

Dabei geschieht eine Bewegung: Johannes ist „der Freund des Bräutigams“ (Joh 3,29). Er tritt zurück, damit Christus hervortreten kann. Dass sein Haupt auf einer Schale präsentiert wird, ist ein schauriges Bild, das zugleich symbolisch spricht: Der Vorläufer gibt sein Leben hin, bevor der Bräutigam selbst den Leib hingibt. Johannes wird so zum Protomärtyrer des Neuen Bundes. Sein Tod ist kein Zufall, sondern gehört in den Plan Gottes, in dem das Zeugnis für die Wahrheit immer mit der Bereitschaft zur Hingabe verbunden ist.

Deshalb erkennt die Kirche im Täufer ein Spiegelbild ihrer eigenen Sendung. Sie ist berufen, die Wahrheit Gottes zu verkünden, auch dort, wo sie unbequem ist. Das kann Verfolgung, Spott oder Gewalt nach sich ziehen. Die Treue zum Evangelium gibt es nicht ohne die Bereitschaft, Widerstand auszuhalten. Das zeigt uns das Schicksal des Johannes. Das Martyrium ist die höchste Form der Treue, weil es den Wert des Gewissens bezeugt. So schreibt auch Johannes Paul II.: „Das Martyrium ist daher auch Verherrlichung des vollkommenen ›Menschseins‹ und des wahren ›Lebens‹ der menschlichen Person“ (Veritatis Splendor 92).

Der bleibende Ruf

Die Enthauptung des Johannes ist kein abgeschlossenes Kapitel der Vergangenheit. Sie ist Mahnung und Ermutigung zugleich. Mahnung, weil sie zeigt, wie leicht Macht oder die Welt sich gegen die Wahrheit stellt. Ermutigung, weil sie bezeugt, dass die Wahrheit stärker ist als jede weltliche Gewalt. Johannes ruft uns bis heute: Lebt in der Freiheit der Kinder Gottes, auch wenn sie euch etwas kostet. Christus selbst verheißt es uns: „Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,10).

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