
Viele haben den Glauben verlassen, oft still und ohne viel Aufsehen. Man lebt einfach weiter, denkt, dass Gott weit weg ist, und überhört die Leere in sich selbst. Doch Jesus spricht unmissverständlich zu allen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Das ist keine freundliche Empfehlung, die man ignorieren sollte. Es ist ein Aufruf, der jeden trifft, der spürt, dass das Leben mehr fordert als Erfolg, Unterhaltung oder Bequemlichkeit.
Die wesentliche Frage lautet: Trauen wir uns, zurückzugehen, bevor die Zeit abläuft? Wer glaubt, er könne alles allein regeln, übersieht, dass wir ohne Gott auf halber Strecke stehen bleiben. Die Einladung ist radikal, denn sie fordert Entschiedenheit, Mut und Ehrlichkeit.

Die Sehnsucht nach Gott
Leere kann man täuschen – mit Geld, Status, Arbeit, Ablenkungen. Doch irgendwann zeigt das eigene Herz seine Wahrheit. Ignoriert man sie, wird man unruhig, rastlos, ja innerlich abgeschnitten von der Quelle des Lebens. Augustinus sagte es so: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ Die Unruhe ist kein Fehler, keine Störung. Sie ist ein Signal. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15) zeigt es deutlich: Der Sohn lebt fern vom Vater, glaubt unabhängig zu sein, spürt aber den Hunger, die Isolation und die innere Leere.
Die meisten erkennen diesen Zustand nicht sofort. Oft wird er verdrängt, mit Umständen erklärt oder durch eigene Rechtfertigungen zugedeckt. Doch das Herz sehnt sich zurück. Es wartet auf den Moment, in dem wir sagen: „Ich will zurück.“ Gott weckt die Sehnsucht in uns, oft leise, bevor wir es bemerken: „Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,13). Wer wartet, verliert Zeit, die niemand zurückholen kann.

Der Weg in die Kirche
Die Rückkehr ist kein abstraktes Gefühl, sondern eine Bewegung, die konkret werden will. Beichte und Eucharistie sind die Türen, durch die Versöhnung und Leben fließen. Kirche ist kein altes Museum. Ohne sie verpasst man die Begegnung mit dem lebendigen Christus. Jesus selbst sagt: „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen“ (Joh 20,23). Die Vorstellung, alles allein schaffen zu müssen, übersieht, dass Glaube Begegnung bedeutet – eine Begegnung, die mit Christus radikal ist.
Das Wort Gottes ernst zu nehmen zeigt, dass Glaube Handeln ist: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). Wer an dieser Tür zögert, verpasst mehr als einen Moment – er verzögert das eigene Leben. Das Durchschreiten dieser Tür führt in eine neue Realität, die fordert, tröstet und zugleich mit der eigenen Schwäche konfrontiert. Gleichzeitig öffnet sie einen Weg hinaus über die eigenen Grenzen. In dieser Erfahrung wird deutlich, dass die Kirche kein schwerer Ort ist. Sie ist Heimkehr, ein Raum, in dem das Herz wieder Ruhe und Ordnung findet.
Heimfinden in Christus
Rückkehr zum Glauben ist unbequem, radikal und gleichzeitig befreiend. Jesus spricht klar: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden“ (Joh 10,9). Jede Ausrede, jede Angst und jede kleine Rechtfertigung können warten, doch das Herz drängt. Die Einladung steht: Wer den Mut hat, durch diese Tür zu treten, findet alles, was er verloren hat, und noch mehr – die Gegenwart Gottes, die das Herz erfüllt, den Sinn, den kein Mensch geben kann, und die Hoffnung, die bleibt, wenn alles andere fällt.